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"Es gibt nichts Unnützes, was nicht wenigstens einmal gesagt werden sollte."

31Jahre - Politikstudent - Musiker, leidenschaftlich, gut? - in festen Händen - Hobbyphilosoph - Gelegenheitslyriker - Hypokrit - Optimist - Postsokratiker - Faulpelz - Trittbrettfahrer - Arbeitstier



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Verfasst am 09.03.2004 12:41:40 Uhr
Post scriptum

Jetzt habe ich die ganze Zeit überlegt, wo ich das PS hinsetze. Unten unter den Text is blöd, da sieht es ja keiner. Ausserdem aktualisiert die Seite dann nicht, und keiner kriegt mit, dass ich noch etwas dazufügen wollte. Also das PS jetzt doch oben drüber, obwohl es ja dann ein ante scriptum ist. Aber die Uhrzeit macht das dann wieder weg, weil ich das PS zu einem späteren Zeitpunkt geschrieben habe. Sozusagen "Zurück in die Zukunft".

Aber jetzt das eigentliche PS: hab gerade - offline - Schelte bekommen, dass die Sexbeschreibungen zu hart wären. Dabei dachte ich, könne man das in der Umgangssprache schon so an den Mann/die Frau bringen. Wenn es Euch zu heiß ist, dann protestiert heftig, vielleicht bin ich da einfach betriebsblind. Und haltet Euch auch mit harter Kritik ja nicht zurück. Es ist nur ehrlich, wenn man sagt, dass man etwas richtig *** findet.

Also jetzt viel Spaß beim lesen.

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Verfasst am 09.03.2004 10:23:46 Uhr
Heul Doch! Part 1
So, nach dem Weblog nun das Buch, morgen der Bestseller und in 20 Jahren der Nobelpreis...

O.K., ich bin schon ein wenig bescheidener. Lest einfach mal die ersten paar Seiten und schreibt mir ein paar Kritiken und Anregungen. Und wenn es Euch gefällt stell ich immer wieder ein paar neue Seiten ein.



HEUL DOCH!


Philip setzte die Kaffeetasse ab, neigte den Kopf zur Seite und betrachtete das Ölgemälde über dem Frühstückstisch. Die noch feuchte Farbe schimmerte und er hatte den Eindruck, dass er sich darin spiegeln könnte, würde er nur nahe genug an das Bild herantreten. Sie war tatsächlich eine grandiose Malerin, das war ihm klar, auch wenn er sonst von Kunst nicht gerade viel Ahnung hatte. Er rätselte welcher Kunstrichtung dieses kleine Meisterwerk, sein kleines Meisterwerk seit sie es ihm geschenkt hatte, entsprach, kam aber nicht darauf. Das Bild stellte im Grunde nichts dar. Keine Zeichnung, nur verschwenderisch arrangierte Farben in satten Rot- und Gelbtönen, an den Ecken mit einer Prise mintgrün verziert. Obwohl, eine gewisse Symmetrie war vorhanden. Dicke orange Balken umrahmten gegen den Uhrzeigersinn laufend ein rotes Viereck, das wiederum ein gelbes Viereck einschloss. Innerhalb dieses gelben Vierecks tanzten hinter beigen Gitterstäben verschiedenartige Muster in blau und grün. Das Bild war einfach nur schön. ‚Und das schönste ist, dass sie es gemalt hat’, dachte er, während er mit dem Kaffeelöffel Butter auf seinem Frühstücksbrötchen verstrich. Diese Unart hatte er schon seit er denken konnte. Stets zu faul, um sich vor dem Frühstück ein komplettes Set an den Tisch zu holen, begnügte er sich mit dem Kaffeelöffel als Messer und der Brötchentüte als Teller.


Er hatte Jana vor vier Wochen kennen gelernt und dann ging alles richtig schnell. Seit drei Wochen bereits hatte er nicht mehr allein geschlafen und er wollte verdammt sein, sollte er noch eine einzige Nacht von dieser Frau getrennt sein. Sie war unbeschreiblich chaotisch, nein, sie war das personifizierte Chaos. Immer in Action und stets kreativ verwandelte sie seinen eintönigen Alltag in die Hölle und den Himmel auf Erden. Sie machte den Eindruck, als hätte sie mit dieser ganzen Energie nur auf ihn gewartet, um ihn nun damit zu überschütten, hinfort zu reißen und zu überwältigen. Und er war überwältigt, hingerissen, ja fast phlegmatisch. Er genoss es einfach, da zu sitzen und sie zu beobachten, unfähig seine Aufmerksamkeit auch nur eine Sekunde von ihr zu nehmen, ertrunken im Sog ihrer Weiblichkeit. Und er fühlte sich als Autist, der langsam das Interesse verlor, mit der Welt da draußen zu kommunizieren. Es zählte nur noch sie. Und was konnte einen Menschen mehr befriedigen? Klar, Robert hat schon vor ein paar Tagen auf den Anrufbeantworter gesprochen. Ob er denn im Bermudadreieck verschollen sei, weil er sich nicht mehr melde?


‚Ja, ein Dreieck war es schon’, lächelte Philip in sich hinein, stopfte sich den letzten Rest des Brötchens in den Mund und schenkte sich noch einen Schluck Kaffee ein. Dann blätterte auf Seite zwei der Tageszeitung um. Die mochte ihm heute nicht so richtig schmecken. O.K., wer sich die ganze Nacht im Liebesspiel durch die Kissen gerobbt hat, will am Morgen danach nicht unbedingt wissen, wie viele Opfer das letzte Erdbeben im Iran oder das feige, von gar nicht so Gläubigen inszenierte, Selbstmordattentat im Irak gefordert haben. Und Daniel Küblböcks Genickschleudertrauma nach einem Unfall, nach einer Fahrt ohne Führerschein, nach einer beispiellosen Nicht-Karriere, die durch eine grottige Talentsuchshow hervorgerufen wurde, interessierte doch, außer vielleicht Daniel Küblböck selbst, sowieso kein Schwein.


Philip schlug die Zeitung wieder zu und überlegte, ob er Robert nicht doch anrufen solle, um einen Diskoabend klar zu machen. Immerhin hatten sich sein bester Kumpel und Jana bis jetzt noch nicht kennen gelernt, also wurde es langsam wirklich Zeit. Freitag Abend konnte man ins Atomic Cafe. Obwohl, da wäre es möglicherweise eng und überfüllt vor lauter pseudointellektuellen, total hippen Trendsettern - also den Spießern von morgen. Bleiben noch das Backstage und die Alabamahalle. Komasaufen ist wegen Jana nicht drin, also Backstage. Er griff zum Telefon, welches neben der Orangensaftpackung lag und wählte Roberts Nummer. Der hatte sich wohl einen ISDN-Anschluss legen lassen und sah Philips Nummer auf der Anzeige, denn nach zweimal läuten meldete sich Robert überschwänglich: „Hey alter Sack, wo hast Du gesteckt? Hab’ schon gedacht, du kommst gar nicht mehr runter von der neuen Tussi.“


Robert war noch nie für seine dezente Art bekannt gewesen. Philip überlegte kurz, ob es nicht doch besser wäre, die beiden erst später einander vorzustellen, verwarf diesen Gedanken aber wieder. Jana war wahrscheinlich von Roberts direkter Art sogar begeistert und er hätte riskiert Robert vor den Kopf zu stoßen. Philip versuchte unverfänglich zu wirken: „Ja, ich hatte die letzten Tage nicht ganz soviel Zeit. Du weißt ja, frisch verliebt und so.“ Er tat sich wirklich schwer mit seinem Kumpel über seine Beziehung zu reden. „Brauchst mir nichts erzählen, kann mir das schon vorstellen“, lenkte Robert sofort ein, „ich finde es nur schade, dass du, jetzt wo du mal ein paar Tage frei hast von der Redaktion, die ganze Zeit mit diesem Mädchen abhängst. Wir könnten doch mal wieder richtig auf den Putz hauen.“


Die Redaktion, wie sie Robert nannte, war eigentlich eine ungeheuerliche Übertreibung. Philip schrieb eine Kolumne für ein mehr oder weniger bekanntes Internetportal für Markensportartikel. Anfangs wollten die Macher des Portals eigentlich nur ihren tristen Onlineshop mit ein paar witzigen Zeilen aufpeppen. Als sie dann gemerkt hatten, dass ausgerechnet Philips „Alltagsansichten eines Sportschuhs“ mehr Besucher auf die Seite zogen, als die Sonderangebote, hatten sie ihm angeboten, den gesamten redaktionellen Teil des Portals zu übernehmen, Aktualisierungen inbegriffen. Begeistert von der Aussicht, unmittelbar nach dem Studium eine so verantwortungsvolle Stelle zu bekommen, hatte Philip natürlich sofort zugesagt. Und auch wenn 3000€ Anfangsgehalt zwar nicht sensationell, aber für den Anfang doch ganz befriedigend klangen, hatte sich bald Ernüchterung eingestellt. Der technische Support erwies sich nämlich als ‚Rund und die Uhr irgend einen Kleinkram reparier’- Job. Ständig irgendein Skript, das nicht richtig funktionierte, irgendein Bild, das nicht hochgeladen wurde, irgendein Link, der lediglich in die Weiten der eigenen Festplatte reichte. Philip, der Kommunikationswissenschaften und Philosophie studiert und sich nur bedingt für Computer interessiert hatte, war bald heillos überfordert und das ‚Learning by doing’ nach der regulären Arbeitszeit wirkte sich verheerend sowohl auf Freizeitmenge, wie auf deren Gestaltungsmöglichkeiten aus. ‚Plumbs’ - ins Bett fallen – Ende. Der natürlich unbezahlte Urlaub war Rettung in letzter Minute.


„Ich wollte sowieso, dass du Jana mal kennen lernst. Wie wär’s wenn wir heute Abend erst mal einen Cocktail trinken gehen und danach ins Backstage?“ „Backstage klingt gut“, gab Robert zurück, „aber Cocktail trinken wird mir zu teuer. Ich habe doch wegen der Magisterarbeit den Nebenjob geschmissen, um mehr Zeit zu haben. Dafür hab’ ich jetzt weniger Geld.“ Richtig, Philip hatte vergessen, dass Robert momentan voll im Stress war und kurz vor der Abgabe seiner Abschlussarbeit stand. „Gut, dann würde ich sagen, wir sind so um halb elf bei dir. Ich bring noch eine paar Bierchen mit zum Vorglühen.“


Ohne Roberts Antwort abzuwarten, hatte Philip bereits aufgelegt. Robert hätte sowieso zugesagt. Er kannte ja seinen Kumpel. Er wunderte sich, dass er, obwohl sich die beiden nun schon seit Beginn des Studiums kannten - und das waren nun schon fast sieben Jahre - sich noch immer nicht mir Robert über seine Gefühle unterhalten konnte, wenn er verliebt war. Das war wohl typisch männlich, denn anders herum wäre es ihm auch nicht aufgefallen, dass Robert einmal von sich aus auf dieses Thema zu sprechen gekommen wäre. Über ‚heißes Becken’, ‚geile Titten’ und ‚gut zu vögeln’ ist bis jetzt noch keine Diskussion über die jeweiligen Liebesaffären hinausgekommen. Und dabei hatte Sonja, die beste Freundin von Philips Ex Marion, wirklich alles über ihn gewusst. Angefangen von der Länge, Breite und Form seines Penis, bis über seine empfindliche Kniekehle hatten die beiden Mädels alles breitgetreten, was in seinem Sexleben passierte. Sogar Einzelheiten hatte Marion erzählt. Damals, als sie ihn mit der Hand befriedigt und ihm aus Versehen einen dicken Spermafaden ins Auge geschossen hatte. Oder er beim Kommen gefurzt hatte.


Beides veranlasste Marion jeweils zu minutenlangen Lachtiraden, und als wäre das noch nicht peinlich genug, verheimlichte sie ihm auch nicht, dass sie mit solchen Geschichten brühwarm zu ihrer besten Freundin lief. Sie konnte überhaupt nicht glauben, dass solche Gespräche zwischen ihm und Robert nicht stattfanden. Am Schluss konnte Philipp Sonja schon fast nicht mehr in die Augen sehen vor lauter Scham. Irgendwie scheint Frauen das gewisse ‚Verständnis-Gen’ für die Geheimnisse der Männer zu fehlen. Philip kam die Idee, dass ein Männer-Ratgeber für Frauen ziemlich lukrativ sein könnte. Irgendetwas in der Art von ‚Wie erhalte ich das Selbstvertrauen meines Mannes’, oder so. Nachdem was Philip bei „Sex & the City“ gesehen hat, sind anscheinend alle modernen Frauen geheimnismordende Bestien.


Männer dagegen reden nicht mit anderen Männern, als wären sie bei intimen Momenten mit dabei. Männer sprechen über Frauen im Allgemeinen oder Frauen, die nicht erreichbar sind, so wie Jennifer Lopez. Aber Philip hat noch nie jemand sagen hören, wie wunderbar weich die Muschi seiner Freundin sei. Einem Mann klingt das viel zu sehr nach: „willst du auch mal?“ Und erst recht hatte vor ihm noch nie ein Mann zugegeben, dass seine Freundin beim Geschlechtsverkehr gefurzt hätte. Nein, Philip war sich sicher! Es gibt Sachen, die müssen mit niemandem geteilt werden.


Philip überlegte, ob er sich noch ein Brötchen streichen sollte, bevor Jana aufstand. Auf eine seltsame Weise hatte er in den letzten Tagen einen ständigen Heißhunger entwickelt. Er nahm noch einen Schluck Orangensaft und entschloss sich dann erst einmal unter die Dusche zu gehen und zu riskieren, dass das Rauschen Jana aufwecken könnte. Immerhin war es schon halb zwölf, da konnte die kleine Langschläferin ruhig einmal aufstehen. Auf dem Weg ins Bad blieb er an der Schlafzimmertür stehen und beobachtete die Schlafende durch den Türspalt. Ihre rötlich braunen Locken lagen wild über das Kopfkissen verstreut. Philip erinnerte sich, dass er Jana vor ein paar Tagen fast beleidigt hatte, als er scherzhaft meinte, ihre Haarpracht sei eine Mischung aus Pudel und Meduse. Ein gedehntes „ist das sooooo?“, hatte er zur Antwort bekommen.


Es war der erste Moment, in dem er merkte, dass Jana auch anders sein konnte als fröhlich. Nicht, dass diese Bemerkung sein Bild, das er sich von ihr gemacht hatte zerstörte, aber Philip hatte gespürt, dass ein Streit mit Jana keineswegs so glimpflich ablaufen würde, wie mit früheren Freundinnen. Philip war es nicht gewohnt zu streiten und hatte Angst vor der ersten wirklichen Auseinandersetzung mit Jana. Dabei hatte er damit doch nur gemeint, dass er ihre Locken ungeheuer süß findet, dass sie ihren Charakter unterstreichen: wild, chaotisch, zum Knuddeln und gleichzeitig männermordend. Mann, er würde sich über ein so phantasievolles Kompliment freuen. Jana bewegt sich leicht im Schlaf, drehte sich von der Bauchlage auf die Seite und gewährte Philip einen kurzen Blick auf ihren zarten Rücken, bevor sie ihn mit einer fahrigen Bewegung wieder unter der Bettdecke verschwinden ließ. Philip widerstand dem kurzen Anflug von Begierde, löste sich aus dem Türrahmen und ging ins Badezimmer.

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